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Magnus und das Zauberschwein
Es war einmal ein Zauberlehrling namens Magnus. Er lebte in dem Königreich Pork Hollow, wo seit über tausend Jahren Friede und Wohlstand herrschten. Der Junge war sehr strebsam und fleißig und wollte unbedingt ein großer Zauberer werden, um mit seinen Fähigkeiten schließlich am Hofe des Königs zu dienen. Doch mehr als die Gabe, mit Tieren zu sprechen, brachte Magnus bisher nicht zustande. Und das nicht einmal gut: Nur ein paar Tiere konnte der junge Zauberlehrling verstehen, wenn sie deutlich sprachen und nicht etwa nur nuschelten wie ein Meerschweinchen oder Hase.
Es trug sich zu, dass Magnus an einem sonnigen Tag zur Burg Porkwarts zog, um beim dortigen Zaubermeister Taxas in die Lehre zu gehen. Auf dem Weg zur Burg begegnete Magnus einem Schwein. Es war ein gewöhnliches Haus- und Hofschwein, wie es sie zuhauf in Pork Hollow gab. Denn Schweine wurden schon lange nicht mehr zum Schlachten gehalten, sondern wie ein Hund oder eine Katze als Kamerad für alle Lebenslagen. Deshalb war Magnus zunächst nicht überrascht, als das Schwein eine Weile neben ihm herging.
Schließlich sagte das Schwein: „Gestatten, ich bin Grunzibald der Gerissene. Ich biete euch meine Dienste an!“
Der Junge kicherte: „Lustiger Name, aber du siehst nicht gerade wie jemand aus, der mir etwas anbieten könnte. Ich bin Magnus, Zauberlehrling.“
Jetzt kicherte das Schwein: „Du siehst nicht gerade wie ein Zauberer aus, aber es gefällt mir, dass Menschen heutzutage noch zaubern können. Sag an, bist du ein Schüler des Großen Meisters Taxas aus Porkwarts?“
„Ja, das bin ich. Ich bin unterwegs zu ihm, um bei ihm in die Lehre zu gehen.“ Das war nicht ganz gelogen, nur ein bisschen. Magnus wusste noch nicht, ob er bei Meister Taxas in die Lehre gehen konnte, aber dass er auf dem Weg zu dem Zauberer war, das stimmte. Außerdem – was ging ein Schwein seine Belange an?
„Das ist ja großartig“, sagte Grunzibald. „Zufällig kenne ich Meister Taxas, und er hat mir berichtet, dass heute ein sehr begabter Zauberlehrling bei ihm anklopfen würde. Der Meister kann ein wenig in die Zukunft blicken, musst du wissen.“
Zuerst wusste Magnus nicht, was er antworten sollte. War doch das Gesagte von ihm nur die halbe Wahrheit gewesen, aber wenn Meister Taxas ihn tatsächlich schon kommen sah und deshalb dieses Schwein zu ihm geschickt hatte … „Ich freue mich, das zu hören“, sagte Magnus schließlich. Sie erreichten gerade das Stadttor und schlenderten über den großen Marktplatz, wo reges Treiben herrschte. Niemand achtete auf den Jungen in der Kutte, der mit einem Schwein sprach. Von der Gabe mancher Menschen, mit Tieren sprechen zu können, war im Königreich allgemein bekannt.
„Nicht wahr?“, sagte Grunzibald. „Aber Meister Taxas hat mir auch gesagt, dass ich dich zuerst prüfen solle, bevor er dich empfängt.“
Magnus blieb abrupt stehen und starrte das Schwein erschrocken an. „Wie? Prüfen?“ Er sah Grunzibald skeptisch an. „Woher soll ich wissen, dass du die Wahrheit sprichst?“
Grunzibald blieb sichtlich ruhig und sagte gelassen: „Ich weiß etwas, was nur du wissen kannst. Und das weiß ich wieder vom Meister.“
„Dann sprich, Schwein. Beweise mir, dass du die Wahrheit sprichst“, sagte Magnus herausfordernd und verschränkte die Arme.
„Dein Name ist Magnus Hemmingford, du kommst aus Pork Hollow und dein Sternzeichen ist der Schlangenträger.“
Magnus starrte das Schwein sprachlos an und Grunzibald grinste. „Na? Spreche ich die Wahrheit?“
„Na schön …“, sagte Magnus langsam und versuchte, seine Verblüffung zu verbergen, denn alles, was Grunzibald über ihn gesagt hatte, stimmte. Wenn das nicht Zauberei gewesen war, was dann? „Dann sprich: Wie willst du mich prüfen?“
Grunzibald lächelte und bedeutete dem Jungen mit einer Kopfbewegung, ihm zu folgen. „Komm mit. Die Prüfung ist ganz einfach, und wenn du sie bestehst, dann wirst du bei Meister Taxas die Geheimnisse hoher Zauberkunst erlernen, versprochen.“
Magnus folgte Grunzibald. Sie gingen durch eine schmale Gasse zwischen zwei kleineren Gebäuden hindurch und kamen zu einem kleinen Innenhof, der von einem Holzzaun und Strohballen eingegrenzt war. Magnus sah eine große Matschgrube in der einen Ecke, einen Holzkarren voller Stroh, ein paar Eimer und Schaufeln.
„Du musst eine Stunde lang leben wie ein Schwein, dann hast du die Prüfung bestanden“, erklärte Grunzibald.
Magnus keuchte erschrocken auf: „Was?! Nein … vergiss es! Was soll das? Wozu soll ich so etwas machen?!“
„Bescheidenheit“, sagte Grunzibald knapp. „Nur wer nicht nach der Macht strebt und weiß, auch die niedrigsten Geschöpfe zu respektieren, hat die nötige Persönlichkeit, verantwortungsvoll mit der Macht eines Zauberers umzugehen. Das ist wahre Größe!“
Magnus schnitt eine Grimasse. „Macht bedeutet Verantwortung, was?“ Ja, das hatte er neulich in einem Buch gelesen. Und während er noch darüber nachdachte, ob er sich jetzt in ein Schwein verwandeln sollte, sagte Grunzibald: „Du hast es begriffen, Junge. Und jetzt rein mit dir in den Matsch!“
„In den … Matsch?!“, fragte Magnus verwirrt.
„Ja!“, grunzte das Schwein. „Oder hast du Angst davor, dich schmutzig zu machen?!“ Grunzibald lachte und stupste Magnus am Bein an. „Los, komm schon.“
Magnus wurde bei dem Gedanken, im Matsch zu baden, ganz seltsam … aber die Vorstellung war auch irgendwie lustig. Und es war harmlos, denn wo woanders Zauberlehrlinge gegen Drachen kämpfen oder gemeine Schachspiele bestreiten müssen, darf er im Matsch spielen.
„Hm … na schön“, murmelte Magnus. Er zog seine Sandalen aus, streifte seinen Umhang ab und sah damit aus wie ein gewöhnlicher Bauernjunge: eine graue Tunika. Kichernd tapste er in den weichen, kühlen Matsch. Grunzibald tat es ihm gleich, und während sie sich gegenseitig lachend mit Matsch bewarfen, ging das gewöhnliche Treiben auf dem Burghof weiter.
Hin und wieder erblickte eines der anderen Tiere – wie ein Esel oder die Hühner – einen lachenden Jungen, der sich gerade Matsch auf die roten Haare rieb und eine Schlammschlacht mit einem grunzenden Schwein austrug, aber niemand störte sich daran oder schien Anstoß daran zu finden.
Als die Stunde vorbei war, saß Magnus unter einem Baum und ließ den Matsch auf seinen Haaren und seiner Haut trocknen. Er kicherte. Grunzibald rollte mit seiner Schnauze einen großen, roten Apfel auf Magnus zu, und der Junge aß den Apfel, kicherte wieder und schmatzte beim Essen.
Junge und Schwein sahen sich an, dann kicherte Grunzibald: „Na, war diese Prüfung denn jetzt so schwer?“
Magnus schüttelte den Kopf und warf den Apfelbutzen hinter sich. „Ich bin nur überrascht, dass es so einfach ist, sich als Zauberlehrling hier zu bewerben. Ich meine … alle Jungen spielen gerne im Matsch, oder?“
Grunzibald schnitt eine Grimasse und deutete mit seiner Schnauze in Richtung Wassertrog. „Wasche dich jetzt und zieh deine Kutte an. Der Meister ist nun bereit, dich zu empfangen.“
Sein Herz schlug ihm bis zum Hals vor Aufregung, und Magnus tat, was das Schwein ihm sagte: Er wusch sich und zog sich wieder an. Seine Haare noch feucht und strubbelig, schlüpfte Magnus in seine Sandalen und nahm seine kleine Tasche, die er an den Zaun neben seine Kutte aufgehängt hatte.
Magnus fuhr sich nervös durch das feuchte, strubbelige Haar. „Wie sehe ich aus?!“, fragte er aufgeregt.
Grunzibald lachte leise. „Mach dir keine Sorgen. Die Sonne geht schon unter, und auf Frisuren legt der Meister kaum einen Wert. Los, folge mir.“
Die Dämmerung legte sich über Porkwarts. Magnus holte seine Laterne aus der Tasche hervor und zündete die kleine Kerze in ihr an. Es wurde schnell dunkel. Der Geruch von Lagerfeuern lag in der kühler werdenden Luft. Die Menschen zogen sich in ihre Häuser zurück, es wurde ruhiger auf der Burg.
Noch während sie über den nun leeren Marktplatz schlenderten, hörte Magnus Grunzibald fragen: „Was hast du gedacht, als du im Matsch gespielt hast?“
„Ich verstehe die Frage nicht.“
„Junge, du hast mit einem Schwein im Matsch gebadet. Was geht einem da so durch den Kopf?“
Magnus schüttelte den Kopf. „Ich glaube, ich habe … gar nichts gedacht. Ich war einfach im Moment. Es hat Spaß gemacht, ich musste immer wieder lachen, aber … gedacht habe ich gar nichts.“
Grunzibald nickte, scheinbar zufrieden. Magnus konnte es nur aus dem Augenwinkel sehen. Er richtete seine Laterne auf das Schwein, das vom Licht der Kerze schwach erhellt wurde. Er blieb stehen, und einen Moment sahen sie sich schweigend an.
„Nichts zu denken ist das Schwierigste. Viel schwieriger, als einem Drachen eine Schuppe zu stehlen oder einer Nixe ein Handtuch zu reichen. Die meisten Menschen glauben, Macht bedeute alles zu wissen und alles zu können. Aber wahre Macht bedeutet zu wissen, was man nicht kann, und seine Grenzen zu kennen.“
Sie sahen sich schweigend an. Dann sagte Magnus: „Sind wir bald da?“
Grunzibald lächelte und nickte. „Das warst du bereits die ganze Zeit, Magnus.“
Das Licht in der Laterne flackerte, leuchtete kurz grün, dann violett auf, und im nächsten Moment stand vor Magnus ein älterer Herr mit langem, weißen Bart und violetter Kutte. Es war …
„Gestatten: Taxas.“
Magnus blieb fast das Herz stehen, und um ein Haar hätte er seine Laterne fallen lassen. Meister Taxas kicherte, klatschte in die Hände und sagte: „Aus dir wird ein großer Zauberer, Magnus!“
Und während der immer noch verdutzte Magnus Meister Taxas zu dessen Haus folgte und sich erzählen ließ, dass der Zauberer es liebte, sich in ein Schwein zu verwandeln, um künftige Schüler zu prüfen, leuchtete am Himmel der Vollmond und Glühwürmchen schwirrten durch die Luft.