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Tano und der Feuervogel
Leseprobe - Das erste Kapitel
Die Azibo waren schon ein seltsames Volk: Sie bemalten sich ihre Gesichter mit roter Farbe, tanzten bei Vollmond um ein großes Feuer und jedes Mitglied ihres Stammes hatte stets ein Tier, das ihm nie von der Seite wich. Naja, fast jeder, nur jene Azibos, die das "Erdenbad Ritual" vollzogen haben. Und jetzt wird es besonders komisch: Jeder Azibo muss mit seinem "Seelentier", das der Schamane bestimmt, im Schlamm baden. Kein Witz!
Na ja, zum Glück war Tano mit seinem Seelentier nicht ganz einverstanden, sonst hätte er Yaru nie kennen gelernt. Dieser kletterte nämlich mit Vorliebe auf den Bäumen herum, obwohl die Mitgliede seines Stammes, die Naro, überhaupt nicht schwindelfrei waren. Deshalb buddelten die lieber unten in der Erde und lieferten Lehm an die Azibo, die wiederum Kleidung für die Naro herstellten und für den Lehm eintauschten. Puh, kommt ihr noch mit?
Mudari und Luroka nennen sich die beiden Stämme übrigens auch, wenn sie Handel betreiben. Auf Eburia gibt es sehr viele kleine Stämme: Da sind die Farell, die Nuloks, dann die ganz seltsamen Eiselfen und eben die Azibo Mudari und die Naro Luroka. Manche Stämme haben Vor- und Nachnamen. Verrückt, oder? Ach so, das ist übrigens ein Bild von Tano vom Stamm der Azibo. Zeitgenössische Künstler haben es aus Lehmfarben auf Graspapier gemalt.
Es war Nacht im Azibo Dorf, als Tano in einiger Entfernung zum Lagerfeuer stand und der Stimme des Erzählers lauschte: „Das Licht der Ahnen, ein legendärer Ort an dem der Feuervogel seine Heimat hat. Niemand hat ihn je gesehen, doch immer wenn das Mudari Ritual vollzogen wird, sehen wir den Schein seines flammenden Federkleides aufleuchten.“ Wie die anderen lauschte Tano gespannt der Geschichte. Sein Mudari stand bald bevor.
Das Mudari ... es war das wichtigste Ritual für jeden Azibo Jungen, der den zwölften Sommer seines Lebens in der Nacht der beiden Vollmonde erleben darf. Nur noch wenige Tage trennen Tano von seinem Mudari, und davon, selbst ein eigenes Seelentier an seiner Seite zu haben. Vierzig Stunden vor dem eigendlichen Ritual erfahren die Jungen, welches Seelentier die Monde für sie ausgewählt haben. Tano hofft auf ein Tapir, oder etwas starkes wie ein Flußhippo.
Tork war Tanos bester Freund. Der Junge war ein Jahr jünger als er und hatte noch kein Mudari. Er saß auf einem Hügel aus trockendem Gras und wippte aufgeregt mit seinen Füßen während Tano seinen Bogen kontrollierte. "Und du willst wirklich schummeln?"
"Das ist doch kein Schummelm, Tork.", erwiderte Tano und verdrehte die Augen. "Ich will nur den Schamanen etwas ... überzeugen, verstehst du?"
"Dass du ein Tapir als Seelntier willst."
Tork nickte. "Ja, aber suchen nicht die Monde das Seelentier aus?"
"Jaaa ... aber der Schamane muss doch nur die Botschaft der Monde lesen, und vielleicht verliest er sich oder so." Tano seufzte genervt.
"Also, ich weiß nicht Tano.", sagte Tork, pflückte sich eine Bamba-Frucht ab, die an einem Busch neben ihm wuchs und biss hinein. Violetter, süßer Saft rann ihm über Mundwinkel und Kinn. "Ein Bild von einem Tapir dem Schamanen vor die Hütte zu schießen ... ist das nicht auch noch gefährlich?!"
Tano legte einen Pfeil auf seinen Bogen, zog die Sehne an und kniff die Augen zusammen. Ja, dieser Pfeil war genau der Richtige. Der Bogen war stabil ... das musste so hinhauen. "Tork, du kennst mich doch. Habe ich jemals ein Ziel verfehlt?"
Tork nickte. "Japp. Letzen Winter, als du der alten Zusa fast in den Hintern ..." Er verharrte als er Tanos bösen Blick vernahm und kicherte verlgen. "Naja, es war ja auch irgendwie lustig."
Tano nickte und betrachtete nochmal die Zeichnung, die er gemacht hat: Ein schwarz weiß gestreiftes Dschungel-Tapir. Mit Farben aus Ruß, weißer Kreide und Lehm auf Graspapier gemalt. Wenn er das an die Hütte des Schamanen hing, würde dieser es als ein Zeichen deuten, da war Tano sich sicher. Und nein: Er schoß das Bild nicht mit dem Pfeil an die Hütte, damit hatte er etwas anderes vor.